Die Narrenfibel - Die geheimnisvolle Welt der weisen Narren
HAGZISSA - Treffpunkt für Hexen und Übersinnliches
Datum: 20.12.07
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Zur frühen Stunde...



Es ist noch dunkel draussen.
Ein leichter Wind schlägt mir ins Gesicht.
Ich friere.
Das muss wohl auch daran liegen, dass mein Kreislauf noch nicht so richtig fit ist. Früher habe ich nicht so schnell gefroren. Ein kalter Luftzug hat sich einen Weg unter meine zu dünne Jacke gebahnt. Ich bekomme eine Gänsehaut und ziehe den Kragen enger. In der Nähe brummt ein Motor im Leerlauf warm. Da muss es also auch noch einen anderen armen Teufel geben, wie mich, der sich zu dieser Stunde auf den Strassen von Mannheim herumtreibt. Ich gehe schneller. Der Bus wird gleich kommen und ein Verpassen ist an so einem Morgen nicht wünschenswert.
Doch mein Bemühen ist umsonst gewesen. Ich kann nur noch in die Rücklichter des Busses sehen. Nun gehe ich wieder langsamer und bin sauer. Dieser erbärmliche Busfahrer ist einfach zu früh, ich bin mir sicher. So stelle ich mich also an die schnöde Bushaltestelle und grolle.

Plötzlich brummt ein Auto heran.

Es muss der andere arme Frühaufsteher sein, dem das Warten auf den Motor zu unmenschlich geworden war.
Ein alter Opel Kadett knattert an mir vorbei.
Den Fahrer kann ich nur an dem glühenden Punkt seiner Zigarette ausmachen, die er am Steuer raucht. Das Auto entfernt sich und verschwindet an der entfernten Strassenkreuzung.

Nun bin ich alleine.

Ich schaue mich um und friere.
Niemand da.
Frustriert verlagere ich mein Gewicht von einem Bein zum anderen.
Da, ein Rascheln!
Widerwillig drehe ich meinen Kopf, dessen Gesichtshaut noch immer vom Rasieren brennt. Erst sehe ich nichts. Doch dann mache ich einen kleinen Schatten aus, der sich der Bushaltestelle nähert. Ich werde neugierig und versuche auszumachen, wen es zu so früher Stunde hier an die Bushaltestelle treibt.
Die Gestalt tritt in den Lichtkegel der Strassenlaterne und ich sehe ihn enttäuscht. Es ist nur ein alter Odenwälder Dunkelwaldzwerg der mir Gesellschaft leisten wird. Keuchend kommt diese kleine, kniehohe Gestalt neben mir zum Stehen und sieht an mir, mit seinen winzigen, dunkelbraunen Augen, hoch. Dieser Wicht trägt einen alten Mantel, der bis zum Boden herabreicht und gebundene Lederstiefel, in die er seine schäbige Stoffhose gestopft hatte. Nun hellt sich seine wettergegerbte Gesichtshaut auf und ein zahnloses Lachen breitet sich über sein ganzes Waldzwergengesicht aus. Mit krächzender Stimme bittet er mich um Bonbons, natürlich um Bonbons.
Ich stöhne. Diese elenden Dunkelwaldzwerge kriechen tatsächlich nur aus ihren gammeligen Wäldern, um bei uns nach Bonbons zu schnorren. Ich gebe dem Waldmann zu verstehen, dass ich nie Bonbons mitnehme und schon gar nicht im Dunkeln.

Diese hässlichen Kreaturen schnorren mit Vorliebe im Dunkeln, da sie sich dann gut an ihre Opfer heranschleichen können.

Nun verzieht der Zwerg sein Gesicht und holt mit seinem rechten Stummelbein aus, um mir gegen das Schienbein zu treten. Ich fluche und hebe den Wicht mit beiden Händen hoch, bis direkt vor mein Gesicht. Doch damit habe ich wohl eine Art Sturm ausgelöst.

Die Strasse füllt sich mit Dunkelwaldzwergen, die zu Dutzenden aus den Gebüschen springen. Ich lasse den Alten fallen und drehe mich rasch um, da ich ein lautes Hecheln höre. Ich sehe, wie ein erstaunlich edel gekleideter Jungzwerg, auf einem versifften Strassenköter sitzend, heranprescht.
Nun wird mir unwohl. Ich bekomme tatsächlich Angst vor diesen Kreaturen. Ich schreie laut um Hilfe, in der Hoffnung, dass mich einige schlafende Bewohner hören. Doch plötzlich wird alles dunkel um mich herum. Einige Zwerge hatten sich von dem Dach der Bushaltestelle gestürzt und halten mir nun, auf meiner Schulter sitzend, den Mund zu. Ich spüre unzählige Hände an meinen Sachen, die suchend und forschend meine Taschen durchkämmen.

Der Zwergenedelmann steigt von dem Hund ab und baut sich vor mir auf. Er sieht ziemlich lächerlich aus, wie er da so steht, mit beiden Armen verschränkt und mit forderndem Blick. ' Er ist ein Wicht und bleibt ein Wicht ', denke ich mir und versuche die beiden Zwerge auf meiner Schulter abzuschütteln.
Ich bemerke, dass mich inzwischen etliche Augenpaare von unten herauf anstarren und gebe insgeheim auf, mich gegen diese winzigen Wegelagerer zu wehren.

' Nichts! Er hat nichts! ' schreien einige Zwerge ihrem Anführer aufgebracht zu. Mir ist nun überhaupt nicht mehr kalt und wünsche mir sehnlichst, dass die Scheinwerfer des Busses auftauchen.
Doch der Anführer blickt mich mit starrem Blick an und zeigt urplötzlich auf meine schönen Wildlederschuhe. Seine Odenwälder Zwergenbanditen verstehen sofort und treten mir in die Kniekehlen, so dass ich zu Boden gehe.

Nun geht alles sehr schnell. Ehe ich reagieren kann, haben die Zwerge mich meiner Schuhe entledigt und stopfen sie in zwei Taschen. Es werden einige Katzen herangeführt, die aneinandergebunden waren und eine Art Karawane bilden. Zwei dieser Katzen sind noch unbeladen und kommen direkt vor mir zum Stehen. Der einen Katze werden die beiden Taschen übergeworfen um verzurrt zu werden. Ich kann mich immer noch nicht bewegen und bin vollkommen geschockt.
In der Vergangenheit waren die Odenwälder Dunkelwaldzwerge noch nie so aggressiv gewesen.
Doch dann habe ich Glück.
Am Ende der Strasse tauchen zwei Lichter auf.
Es ist der Autobus, der sich schnell nähert.

Sofort rennen die kleinen Banditen auseinander und tauchen in den Ziergebüschen unter. Der Zwergenanführer steigt auf sein Reithund und zieht an den kleinen Zügeln. Der Mischling knurrt, gehorcht jedoch und rennt mit seinem Reiter davon.

Der Bus bremst, und ich versuche stöhnend aufzustehen.
Als die Bustür zischend aufgeht, stolpere ich die Stufe hoch, am Fahrer vorbei, der mich verdutzt ansieht. Erschöpft lasse ich mich auf einem der freien Plätze nieder und atme erleichtert auf. Erst als sich die Türen schliessen, sehe ich mich um.
Doch was war das?
Die ganzen acht Fahrgästen haben keine Schuhe mehr an und blicken mit düsteren Gesichtern aus dem Fenster.

Der Bus fährt an und der Fahrer gibt seiner Zentrale durch, das es noch einen weiteren Zwergenüberfall gegeben hat.


Märchen, Legenden, Sagen






© Alexander Rossa 2007

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