Das Hagzissa Hexenbuch
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Die Kappe des Narren

Alexander Rossa 2007



Seit vielen Jahrhunderten steht das Bild des Narren für den freien und sich entwickelnden Geist, und es zeichnet eine wesentliche Einsicht auf dem Weg der Erkenntnis. Doch ein freier Geist befindet sich ebenfalls stets auf dem Weg der Gefahr und der Anfeindungen. In der Hermetik und der geheimen Symbolik alter Mysterienschulen hat der sogenannte weise Narr einen festen und historisch nachvollziehbaren Platz eingenommen, der nur wenigen Menschen heute noch bekannt sein dürfte.

Die Wege des Narren sind Wege des Leidens und der ewigen Entbehrungen. Sie stehen für die ständige Auseinandersetzung des Körperlichen mit dem Geistigen, mit der Erkenntnis, nur durch das eigene Erleiden der Welt, diese zu erkennen und sie für sich nutzbar zu machen. So fällt mir dazu ein recht hübsches Beispiel, die Symbolik der Reise des Odysseus, ein, die selbst ebenfalls von ständigem Leiden begleitet war. So rettete sich Odysseus vor den Gesängen und den Versuchungen der Sirenen, indem er sich an den Mast des Schiffes festband. Der Begriff -Mast- lässt sich interessanterweise auch mit dem Wort -mat- übersetzen, was ebenso auch für den Begriff -Narr- stehen kann, ein Mast, der mit dem Stab des Narren auf den Tarotkarten gleichzusetzen ist. Man findet diese typische Narrensymbolik bei Narren aller Epochen erstaunlich übereinstimmend. Die seltsame dreigeteilte Kappe des Narren steht symbolisch, in ihrer originären Form, für die drei Flammen des Schin, um damit auch die höchste Tirade im Sephirothischen System zu symbolisieren, Flammen, die das höhere Reich bewachen sollen. Der hebräische Buchstabe des Schin zeigt daher diese drei eindeutigen Zacken und bedeutet daher sinngemäss -Geist-.

Immer wieder tauchen hierzu auch dreigeteilte Bewacher in den verschiedensten Mythologien der vergangenen Epochen auf, wie beispielsweise der allseits bekannte dreiköpfige Zerberus, drei Köpfe, als Symbole für die bewachende Eigenschaft der Flammen des Schin (300). So ist die Kappe des Narren sogar vergleichbar mit dreigeteilte Tiara des Papstes, nur, dass sie an ihren Enden Schellen aufweist, deren feiner Klang, eine für Schläfer ungehörte Sphärenmusik und damit ihre Verbundenheit mit dem hohen geistigen Reich symbolisieren. Die Tiara selbst jedoch, ist wohl eher dazu verwendet worden, ein Sinnbild für die geistige Macht darzustellen und hat zwar den gleichen spirituellen Ursprung, wie die Kappe des Narren, verfolgt jedoch wohl schon eine etwas andere Ausdrucksform. Die Kappe des Narren kann durchaus auch ein Symbol für die in esoterischen Kreisen bekannte Dreiheit des wahren Kopfes des Menschen einnehmen, also letztlich Atman, Buddhi und Manas, die drei hohen geistigen Leiber des Menschen.

Doch wie es auch immer sein mag, für den weisen Narren unter den Menschen in nahezu jeder menschlichen Kultur hatte und hat die Zahl 3 immer eine sehr hohe, fast schon magische Bedeutung. Sie steht für das Gleichgewicht, die Prämisse für die Fähigkeiten des wesien Narren, von dem Außerhalb des Kreises in den Kreis zu ziehen, was ihm sinnvoll erscheint. So kann man mit einer narrenphilosophischen Grundeinstellung zwar die menschliche Entwicklung vorantreiben, doch der materiell-körperliche Preis ist hierfür sehr hoch und bedeutet oftmals nicht wenig Leiden. Das läßt sich eindrucksvoll an den Leidenswegen der Märtyrer unserer Völker erkennen, die durch ihre ungewöhnlichen Taten ausgelösten Veränderungen in sehr großem Maß individuell negativ interpretiertes Leid ertragen mußten.

So sind die Wege des Narren oftmals zwangsläufig erfüllt mit brennendem Schmerz und quälendem Leid. Seine Wege sind Symbol für einen ganz eigenen Weg des Lernens und der geistigen Entwicklung, Wege der Erfahrung, die uns schon durch das Leiden Christi in der Bibel angedeutet wurden. Es kann viele Inkarnationen dauern, bis ein weiser Narr geboren wird, der sich dann über weitere Inkarnationen über die Wege des Leidens und des Wissens ausprägt, so heißt es jedenfalls in den alten Schriften. Doch um als ein weiser Narr geboren zu werden, bedarf es das Erwachen aus dem Ungleichgewicht, hinein, in das Gleichgewicht, mit der damit verbundenen Erkenntnis und der Entdeckung des spirituellen Teils des Menschen. Auf diese Weise ist das Inkarnieren völlig belanglos, da die Erkenntnis und das Wissen über allem steht, ein Schreckgespenst jeglichen Glaubens.

Der Narr lebt in einer Fission, als ein Wesen des Schattens, zudem einer Welt zwischen den Welten und dient nicht selten als Erfüller des Bildes der Schläfer, ein Tor zu sein, ein Fehler der Natur. Er wurde in der Vergangenheit aus der Gesellschaft immer wieder ausgegrenzt und in den Narrenturm der Stadtmauer gesperrt, um seinen schädlichen Einfluß auf die Menschen zu verhindern. Die alte Symbolik des nackten Narren, der Verborgenes an das Licht bringt, bereitete den Menschen Angst. Der Narr war der Außenseiter und der Gefährliche, den man unschädlich machen mußte. Unterschieden wurde natürlich stets zwischen dem unbewußten Narren und dem bewussten, dem Gaukler, der so tat, als ob... .Dieser Gaukler hingegen, galt aber auch als weiser Mann, der die Wahrheit ungestraft sagen durfte. Man vergleiche hier mit der Geschichte -Des Kaisers neuen Kleider-. Er stieg oftmals zum Hofnarren auf, zum Querdenker, dem die Freiheit zugestanden wurde, dem Herrscher das Undenkbare ins Gesicht zu sagen, da er aus Überzeugung selbst, die Herrschaft nie für sich beanspruchte. Der weise Narr war der, welcher keine Absicht verfolgte, indem er einfach nur stets das von sich gab, was einfach auch ist. In dem oben schon erwähnten Andersens Märchen -Des Kaisers neue Kleider- ist es jenes unschuldige Kind, das angesichts des eitlen Kaisers mit den imaginären, kostbaren Gewändern sagt: -Er hat ja gar nichts an!- Damit erlöst es alle von ihrem kollektiven Wahn. Das Kind bekleidet hier typischerweise die Figure eines Narren, der Fools und Jester, nach alter Symbolik, dem nur die Bezeichnung eines Idioten korrespondierend zur Seite steht. Der Idiot, als seltsamer Eigenbrödler, der Hüter verborgener Geheimnisse, den niemand versteht, so wie das Wort seiner Herkunft nach aussagt. Ein Idiot zu sein ist eigentlich keine Beleidigung, auch wenn es heute so verstanden wird. Ein Idiot ist wohl mehr ein Mensch, der von der breiten Masse nicht verstanden und daher gemieden wird.

Der weise Narr ist der Feind des allgegenwärtigen dualen Denkens und lebt seine Kreativität und Sensibilität gegenüber der Umwelt aus, und er kultiviert sie mit Überzeugung. So ist der Pfad des Narren nicht ein einfacher Weg. Vielmehr ist er ein Blance-Akt, bei dem der Narr strauchelt und zum Tor werden kann. Es ist ein Weg, der eigentlich keiner ist, den man nicht so einfach in Worte fassen kann, und er ist ein schlauer Weg, der erfüllt ist, von seltsamen Wissensinhalten. Man kann diese Einordung des Narren sehr gut anhand er Null auf der Tarotkarte des Narren erkennen, die ihn genau zwischen den Pfaden platziert, der Unentschlossene, der sich neuen, unendlichen Möglichkeiten öffnet und ohne klare Polarisierung lebt. Er ist der Hüter zwischen dem Hier und dem Da, und er steht auf dem Zaun zwischen den Welten, ganz ähnlich der dämonischen Hexenfigur in seiner ursprünglichen Form. Hier findet man bei Hänsel und Gretel eine typische Symbolik dieser Position wieder. Die Hexe nimmt in dem Märchen die Position des Wächters zwischen den Welten ein. Sie steht zwischen dem Dunkel und der Kälte des tiefen Waldes und der Helligkeit, der Wärme und der Süße der Lebkuchen, aus dem ihr Haus gebaut worden ist. In dem bekannten Märchen symbolisiert das Hexenhaus damit das El Dorado, das Land in dem Milch und Honig fließt, das Goldland, jene Zwischenwelt, die sich den Sinnen der schlafenden Menschen entzieht, aber doch auch das Ziel vieler Träume ist. Der Narr hat mit seiner Erkenntnis der Notwendigkeit des Gleichgewichtes (3) und seinem Bestreben, dauerhaft dieses Gleichgewicht für sich zu erhalten, die Fähigkeit erworben, sich dem Einfluß des Dämons zu entziehen, der in direktem Zusammenhang mit dem Einfluss des Mondes auf die schlafenden Menschen im Ungleichgewicht (2,5) steht. Hierzu betrachte man sich korrespondierend die allseits beliebte Symbolik einer Mondsichel, in der eine Frau sitzt. Diese Symbolik steht für das Hinwegsetzen der Frau über den Einfluss des dunklen Mondes (vgl. die ägyptischen Schwestern). Der Anfang ist das Ende, an dem die von Lilith erschaffenen Lilin, den Menschen im Fegefeuer, schmerzhaft und leidvoll ihre Sünden entreissen. Dieser Schmerz ist als Schmerz des Lebens zu begreifen.

Hier nun endet meine kleine Übersicht zur Narrensymbolik. Sicherlich ist es nun wesentlich leichter verständlich, warum der Philosophie des Narren jene Symbolik zugrunde liegt, die doch im Volk eigentlich als torhaft und idiotisch gehandelt wird, es aber offenbar nicht ist. Sie ist Träger der Information vom Schlaf des Menschen im Gegensatz zu jenen Menschen, die in ihre Spiritualität erwachen und sich aus subjektiver Erkenntnis den wahren Wurzeln des endlichen, körperlichen Lebens frei und offen zuwenden - dem Lernen durch Leiden. Wurzeln, auf die fast alle Weltreligionen dringend verweisen, ohne aber von vielen Gläubigen wirklich begriffen und gelebt zu werden, da sie nicht göttlich, sondern -billig- und unangenehm menschlich erscheinen. Doch als Mensch nach Göttlichkeit zu streben und nicht die Menschlichkeit zu leben, ja, das erscheint einem weisen Narren, torhaft zu sein.


Seelenworte hinter mattem Bildschirmglas




© Alexander Rossa 2010



Gespensterleben - Ratgeber für ein Leben mit Spuk